Künstler seien, so Platon, „Nachbildner von Schattenbildern“, welche „die Wahrheit gar nicht berühren“ und deren Suche sogar gefährde. „In der Kunst haben wir es mit der Präsenz […] des Absoluten […], einer Entfaltung der Wahrheit zu tun“, meinte aber Hegel. “Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen“, urteilte Friedrich Nietzsche. Eindeutiger könnte das komplexe und problematische Verhältnis zwischen künstlerischer Schöpfung und philosophischem Denken kaum umrissen werden. Die Kunst stellt nämlich für die Philosophie nicht nur als Gegenstand der sogenannten „Ästhetik“ seit jeher ein besonderes Thema, sondern auch eine höchst spannende Herausforderung dar, die an der Eigentümlichkeit der Natur und Erfahrung des Kunstwerkes selbst liegt: Inwieweit und in welchem Sinn vermag ein Werk der schöpferischen Einbildungskraft – ein „schöner Schein“? – Realität schlechthin – das „Sein“? – zugleich so zu erschaffen und auszudrücken, dass eben dadurch unser Bewusstsein und Verständnis des Daseins selbst an Schärfe und Wahrheit tatsächlich gewinnen kann? Angesichts dieser wohl abgründigen Frage nach der geheimnisvollen Zusammengehörigkeit von Sein und Schein überhaupt wollen wir nun versuchen, die philosophische Bedeutung und Tragweite der Kunsterfahrung freizulegen, in der Hoffnung, die Kunst möge dabei auch eine tiefe Inspirationsquelle fürs Philosophieren selbst sein...
Die Philosophiegeschichte ist nicht nur eine interessanteste Richtung der Philosophie und Historiographie, sondern v.a. ein Schlüssel zum tieferen Verständnis des Abendlandes selbst: Die Geschichte der Philosophie ist einer der erhellendsten Zugänge zur Ideen-, Geistes- und Mentalitätsgeschichte unserer Kultur. Ob Wissenschaft und Technik, Reformation und Aufklärung, Demokratie und Rechtsstaat oder Nihilismus und Romantik – dies alles ist in der ein oder anderen Weise mit den Namen von Platon bis Hegel, von Ockham bis Kant, von Aristoteles bis Descartes und von Nietzsche bis Fichte verbunden. Der Kurs versucht zusammen mit den Teilenehmern diesen vielfältigen und prägenden Linien nachzuspüren.