Philosophie ist keine Kunst, die Welt einsam zu verlassen! Sie ist vielmehr die Kunst, unsere Welt besser - besonnener und gemeinsam - zu verstehen und zu bewohnen. Mitten in der Geschäftigkeit des Alltags und zwischen den allzu oft verkrusteten, vermeintlich letzten Antworten schafft sie einen Freiraum für das Nachdenken und Diskutieren über die ersten Fragen, die uns alle angehen. Deshalb ist sie von Grund auf Begegnung und Dialog, mitten drin und abseits zugleich… Und dabei zählt nicht das Fachwissen und –können des Einzelnen, sondern nur das Bedürfnis und die Lust aller, sich miteinander einen etwas freieren Blick in das zu verschaffen, was eigentlich ist oder sein soll. In diesem Sinne wollen wir uns einmal im Monat treffen, um Themen, Werken, Fragen unserer philosophischen Tradition und auch unserer eigenen Welt gemeinsam und in aller Ruhe zu begegnen.
Künstler seien, so Platon, „Nachbildner von Schattenbildern“, welche „die Wahrheit gar nicht berühren“ und deren Suche sogar gefährde. „In der Kunst haben wir es mit der Präsenz […] des Absoluten […], einer Entfaltung der Wahrheit zu tun“, meinte aber Hegel. “Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen“, urteilte Friedrich Nietzsche. Eindeutiger könnte das komplexe und problematische Verhältnis zwischen künstlerischer Schöpfung und philosophischem Denken kaum umrissen werden. Die Kunst stellt nämlich für die Philosophie nicht nur als Gegenstand der sogenannten „Ästhetik“ seit jeher ein besonderes Thema, sondern auch eine höchst spannende Herausforderung dar, die an der Eigentümlichkeit der Natur und Erfahrung des Kunstwerkes selbst liegt: Inwieweit und in welchem Sinn vermag ein Werk der schöpferischen Einbildungskraft – ein „schöner Schein“? – Realität schlechthin – das „Sein“? – zugleich so zu erschaffen und auszudrücken, dass eben dadurch unser Bewusstsein und Verständnis des Daseins selbst an Schärfe und Wahrheit tatsächlich gewinnen kann? Angesichts dieser wohl abgründigen Frage nach der geheimnisvollen Zusammengehörigkeit von Sein und Schein überhaupt wollen wir nun versuchen, die philosophische Bedeutung und Tragweite der Kunsterfahrung freizulegen, in der Hoffnung, die Kunst möge dabei auch eine tiefe Inspirationsquelle fürs Philosophieren selbst sein...